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Kooperationen als Vertriebskanal: Wachstum über die Kundenbeziehungen anderer

Ein Betrieb erzielt 6.000 € Mehrertrag im Monat ohne einen Euro Werbebudget, weil andere Unternehmen ihre Kundenbeziehungen für ihn öffnen.

7 Minuten Lesezeit

Fragen Sie einen Geschäftsführer, woher seine besten Kunden kommen, und Sie hören fast immer dieselbe Antwort: über Empfehlungen. Fragen Sie anschließend, wer im Haus für diesen Kanal zuständig ist, welches Budget er trägt und was dort für das nächste Quartal geplant ist, und das Gespräch stockt. Der Kanal, der die besten Kunden liefert, ist in den meisten Unternehmen der einzige ohne Verantwortlichen, ohne Plan und ohne Kennzahl.

Dahinter steht eine Annahme, die selten ausgesprochen wird: Empfehlungen gelten als Ergebnis guter Arbeit, nicht als Kanal. Man kann sie sich verdienen, aber nicht steuern. Für die Mundpropaganda zufriedener Kunden stimmt das. Es gibt aber eine zweite Form der Empfehlung, und die ist steuerbar. Sie entsteht nicht bei den eigenen Kunden, sondern eine Station davor: bei den Unternehmen, die Ihre künftigen Kunden heute schon betreuen.

Wer dort ansetzt, baut einen Vertriebskanal mit zwei Eigenschaften, die sonst kein Kanal vereint: Seine laufenden Kosten liegen bei null, und ein Wettbewerber kann ihn nicht nachkaufen.

Gekaufte Reichweite ist eine Auktion

Jeder bezahlte Kanal beruht auf demselben Geschäft: Sie mieten Zugang zu Menschen, die ein anderer erreicht. Der Preis dieses Zugangs entsteht in einer Auktion, und in einer Auktion bestimmt nicht Ihre Leistung den Preis, sondern das Gebot des Nächsten. Entdeckt ein Wettbewerber denselben Kanal, steigen Ihre Kosten, ohne dass sich an Ihrem Angebot irgendetwas verändert hat.

Dazu kommt ein leiseres Problem: Gekaufte Botschaften kommen als Werbung an. Der Empfänger weiß, dass der Kontakt bezahlt wurde, und verrechnet das. Vertrauen lässt sich auf diesem Weg aufbauen, aber es beginnt jedes Mal bei null.

Eine Kooperation dreht beide Bedingungen um. Wenn ein Unternehmen, dem Ihr Zielkunde seit Jahren vertraut, Sie ins Gespräch bringt, startet der Kontakt nicht bei null, sondern mit geliehenem Vertrauen. Und weil der Zugang nicht versteigert wird, sondern auf einer Geschäftsbeziehung beruht, gibt es nichts, was ein Mitbewerber überbieten könnte.

Bleibt die Frage, warum der Partner mitspielen sollte. Gefälligkeit ist keine Antwort, denn Gefälligkeit trägt keine Regelmäßigkeit. Belastbar wird eine Partnerschaft erst, wenn der Partner durch die Empfehlung selbst gewinnt – im einfachsten Fall, weil er seinen Kunden etwas schenken kann, das er selbst nicht herstellt. Eine Einladung, überreicht in seinem Namen, macht ihn in den Augen seiner Kunden aufmerksamer und großzügiger. Sie liefern die Substanz, er erntet die Geste, Sie gewinnen den Kontakt. Sobald beide Seiten wissen, was sie davon haben, hört die Empfehlung auf, ein Gefallen zu sein, und beginnt, ein Kanal zu werden.

Der richtige Partner steht eine Station früher

Die meisten Kooperationen scheitern nicht an der Ausführung, sondern an der Auswahl. Gesucht wird nach Nähe und Sympathie: Unternehmen, die man kennt, die im selben Viertel sitzen, deren Inhaber man mag. Das ergibt angenehme Bekanntschaften und selten einen Kanal.

Belastbar wird die Auswahl erst, wenn sie dem Weg des Kunden folgt. Jeder Kauf hat eine Vorgeschichte: Wer heute bei Ihnen abschließt, hat in den Monaten davor andernorts Termine wahrgenommen und Vertrauen aufgebaut. Diese früheren Stationen wiederholen sich von Kunde zu Kunde, und wer sie besetzt, kennt Ihre künftigen Kunden vor Ihnen.

Ein Anbieter von Buchhaltungssoftware findet seine künftigen Kunden beim Steuerberater: Dort liegen die Belege auf dem Tisch, lange bevor jemand nach Software sucht, und der Berater empfiehlt gern ein Werkzeug, das ihm saubere Daten liefert. Ein Handwerksbetrieb für Sanierungen findet sie bei Maklern und Architekten, denn wer ein älteres Haus kauft, braucht danach über Jahre immer wieder Gewerke – in der Übergabemappe des Maklers kommt eine Empfehlung als Service an, nicht als Werbung. Eine Physiotherapie-Praxis findet sie im Sportverein und im Fitnessstudio, wo Trainer von Beschwerden Wochen früher hören als jede Praxis. Ein Nachfolgeberater findet sie bei Hausbank und Wirtschaftsprüfer, die das Thema in den Zahlen erkennen, Jahre bevor daraus ein Mandat wird.

Die Frage ist nicht, wer Ihnen wohlgesonnen ist. Die Frage ist, wer Ihre künftigen Kunden heute schon betreut.

Zwei Folgerungen dieser Logik werden regelmäßig übersehen. Erstens: Der beste Partner kommt selten aus der eigenen Branche. Er bedient dieselbe Kundschaft mit einer anderen Leistung, und deshalb gibt es zwischen Ihnen nichts zu verteilen. Zweitens: Es braucht wenige. In meiner Beratungspraxis waren die Netzwerke, die tragen, fast immer die mit drei bis fünf aktiven Partnern, nicht die mit zwanzig losen Kontakten. Eine Partnerschaft ist eine gepflegte Geschäftsbeziehung, und davon lässt sich nur eine Handvoll ernsthaft führen.

Was aus Wohlwollen ein System macht

Zwischen „der empfiehlt mich gelegentlich“ und einem Vertriebskanal liegen vier Entscheidungen.

Ein fester Anlass. Die Empfehlung darf nicht davon abhängen, dass sich ein Gespräch zufällig ergibt. Sie gehört an einen wiederkehrenden Moment im Ablauf des Partners: an die Schlüsselübergabe, an den Abschluss des Jahresgesprächs, an das Ende der Trainingseinheit. Was keinen festen Platz im Ablauf hat, findet nach wenigen Wochen nicht mehr statt.

Ein Geschenk, kein Rabatt. Das Vehikel entscheidet über die Wirkung. Ein Rabatt sagt: Der Preis war zu hoch. Ein Geschenk, das der Partner im eigenen Namen überreicht, sagt: Mein Kunde ist mir etwas wert. Wirtschaftlich ist beides dieselbe Größenordnung, in der Botschaft ist es das Gegenteil. Ein Rabatt zieht Käufer an, die den Preis prüfen. Eine Einladung bringt Menschen, die den Anbieter kennenlernen wollen.

Der Nutzen des Partners führt das Gespräch. Die häufigste Ansprache lautet sinngemäß: „Ich könnte mehr Kunden gebrauchen, würden Sie mich empfehlen?“ Das ist die Bitte um einen Gefallen, und Gefallen nutzen sich ab. Belastbar wird das Gespräch, wenn es mit dem Gewinn des Partners beginnt: womit er sich von seinen Wettbewerbern unterscheidet, was seine Kunden nur bei ihm bekommen. Wer den eigenen Bedarf voranstellt, bittet. Wer den Nutzen des Partners voranstellt, verhandelt unter Gleichen.

Eine Kennung je Empfehlung. Jede Empfehlung muss erkennen lassen, über welchen Partner sie kam: ein Code, eine Karte, eine Frage im Erstkontakt. Nicht aus Misstrauen, sondern weil sonst nach einem halben Jahr niemand sagen kann, welche Partnerschaft trägt und welche nur Sympathie ist. Die Auswertung braucht keine besondere Technik, nur eine Tabelle und einen monatlichen Blick darauf. Partnerschaften, die nichts liefern, werden verändert oder beendet – auch das gehört zu einem Kanal.

Zwei Restaurants, null Werbebudget

Gebaut habe ich solche Systeme in über zwei Jahrzehnten Beratungspraxis vor allem für Restaurants – unter Bedingungen, die für jeden Vertriebskanal unbequem sind: kleine Budgets, kein Vertriebsteam, ein begrenzter lokaler Markt. Gerade deshalb lässt sich dort gut beobachten, was ein Kanal leistet, wenn Geld als Erklärung ausfällt.

Die Auswahllogik ergab in dieser Branche eine präzise Landkarte: Friseure mit 20 bis 40 Kunden am Tag und langen Gesprächen. Hotels ohne eigenes Restaurant, an deren Rezeption jeden Abend dieselbe Frage nach einem guten Tisch fällt. Makler, die neue Bewohner willkommen heißen. Autohäuser, Steuerberater, Kultureinrichtungen. Lauter Betriebe, die dieselben Menschen bedienen, bevor diese über ein Abendessen entscheiden.

Die Ergebnisse sind Erfahrungswerte aus begleiteten Betrieben, keine Studienzahlen, aber sie blieben über Jahre stabil: Eine einzelne Friseur-Partnerschaft lieferte verlässlich 8 bis 15 eingelöste Empfehlungen im Monat. Von den überreichten Einladungen wurden 15 bis 30 Prozent eingelöst; klassische Flyer-Aktionen erreichen 0,5 bis 2 Prozent. Die Ökonomie dahinter ist eindeutig: Einem Wareneinsatz von 2 bis 4 € für das Geschenk steht ein Tisch mit drei Personen und 90 € Umsatz gegenüber, wenn die Einladung angenommen wird.

Der Betrieb, an dem sich das Prinzip am deutlichsten zeigt, bestreitet seinen gesamten Zusatzertrag über Kooperationen: 6.000 € Mehrertrag im Monat, bei einem Werbebudget von 0 €. Das ist kein Aktionserfolg, der wieder abklingt, sondern ein stehendes System – feste Anlässe, eigene Geschenke, eine Kennung je Partnerschaft.

Der zweite Fall: ein italienisches Restaurant in einer 15.000-Einwohner-Stadt in Südniedersachsen, in einer Lage ohne Laufkundschaft. Über Partner kamen 40 bis 50 zusätzliche Tische pro Monat in den Betrieb, 4.000 bis 6.000 € zusätzlicher Umsatz, Monat für Monat, bei 0 € Kosten. In einer Stadt dieser Größe gibt es keinen unentdeckten Werbekanal. Es gab nur Beziehungen, die vorher niemand geordnet hatte.

Zur Wahrheit gehört die Grenze des Kanals: Kooperationen liefern Erstkontakte, keine Stammkunden. Was aus dem ersten Besuch wird, entscheidet die eigene Nacharbeit. Mit systematischer Nachverfolgung wurden aus 25 bis 40 Prozent der so gewonnenen Gäste Wiederkommer; ohne sie blieb die Quote unter 10 Prozent – auch das Erfahrungswerte. Der Kanal öffnet Türen. Mehr nicht, und das ist viel.

Der Kanal, der mit der Zeit wertvoller wird

Die ehrliche Gegenrechnung: Dieser Kanal kostet kein Geld, aber er kostet etwas Knapperes. Er verlangt Zeit, Gegenseitigkeit und Pflege. Er lässt sich nicht an eine Agentur delegieren, weil sein Kern eine persönliche Geschäftsbeziehung ist. Und er wächst langsam: Die ersten Monate sind mager, und wer früh aufgibt, hat keinen Kanal besessen, sondern nur Gutscheine verteilt. Deshalb überspringen ihn die meisten. Er passt in keinen Mediaplan, und er liefert keinen Bericht in der ersten Woche.

Genau diese Eigenschaften erzeugen den Burggraben. Was sich nicht kaufen lässt, kann auch ein Wettbewerber nicht kaufen. Ein Anzeigenkonto lässt sich morgen überbieten. Eine Partnerschaft, die seit Jahren jeden Monat liefert, wechselt nicht wegen eines besseren Gebots, denn der Partner müsste eine funktionierende Routine gegen ein Versprechen tauschen – und die Dankbarkeit seiner eigenen Kunden gleich mit.

Jeder gekaufte Kanal wird teurer, je mehr Wettbewerber ihn entdecken. Ein Partnernetzwerk wird stärker, je länger es läuft.

Am Anfang stand die Beobachtung, dass der beste Kanal der meisten Unternehmen der einzige ohne Verantwortlichen ist. Man kann das als Versäumnis lesen. Man kann es auch als seltene Gelegenheit lesen, denn hier gehört der Vorsprung ausnahmsweise nicht dem größten Budget, sondern dem, der zuerst ordnet, was längst vorhanden ist. Die Kundenbeziehungen, über die Ihr nächstes Wachstum laufen kann, sind bereits aufgebaut, gepflegt und mit Vertrauen gefüllt. Nur gehören sie im Moment noch jemand anderem.

Wenn Sie für Ihr Unternehmen klären wollen, wer diese Beziehungen hält und wie daraus ein Kanal wird, schreiben Sie mir.

Geschrieben von

Michael Krause

Michael Krause, MarketingMind

Ökonom. Rechnet Marketingbudgets nach. Zehn Jahre Platz 1 bei Google, aufgebaut fürs eigene Geschäft.

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