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KI im Marketing

Content-Produktion als System: wie ein Ein-Personen-Betrieb einen Fachbestand aufbaut

Wer regelmäßig Fachbeiträge veröffentlichen will, scheitert selten am Schreiben und fast immer am Ablauf: Was ein Ablauf leisten muss, der über 500 Fachartikel getragen hat.

6 Minuten Lesezeit

Im Januar steht es im Plan: zwei Fachbeiträge im Monat, dazu ein Rundschreiben an die Bestandskunden. Im März sind vier Beiträge erschienen. Im Mai einer. Im August fragt jemand in der Runde, ob man das mit dem Content nicht besser nach außen geben sollte.

Das ist selten ein Motivationsproblem und fast nie ein Schreibproblem. Die Person, die fachlich schreiben könnte, ist dieselbe, die Mandate betreut, Angebote kalkuliert oder Kunden besucht. Sobald der Kalender eng wird, verliert der Text. Er verliert jedes Mal, weil er als Einziger im Haus keinen Auftraggeber hat und keinen Termin, der wehtut.

Wer regelmäßig veröffentlichen will, braucht deshalb nicht mehr Disziplin. Er braucht einen Ablauf, der auch dann trägt, wenn gerade niemand Lust hat.

Der Engpass sitzt nicht beim Schreiben

Fragt man nach, warum ein Beitrag seit sechs Wochen liegt, lautet die Antwort fast immer: keine Zeit. Sieht man genauer hin, ist es selten die Schreibzeit. Es ist die Zeit davor.

Was soll der Beitrag belegen, und für wen? Welche Zahlen dürfen hinein und welche nicht? Welche Kundenfälle sind freigegeben? Was ist die Kernaussage in einem Satz? Solange diese Fragen offen sind, beginnt jeder Anlauf mit derselben halben Stunde Grübeln, und jede Überarbeitung beginnt sie von vorn, weil niemand mehr weiß, was eigentlich vereinbart war.

Die Softwareentwicklung hat dafür seit Jahrzehnten eine unspektakuläre Antwort: Erst wird aufgeschrieben, was entstehen soll, dann wird gebaut. Die Spezifikation ist kein Papierkram, sondern der Ort, an dem die Entscheidungen fallen, damit sie nicht mitten in der Ausführung neu verhandelt werden. Der zweite Schritt ist genauso unspektakulär: Der große Auftrag wird in einzelne, abschließbare Aufgaben zerlegt, und zwar bevor jemand anfängt.

Die Zerlegung hat dabei einen Nebeneffekt, der wichtiger ist als sie selbst: Sie macht den Stand sichtbar. Eine Liste mit drei Spalten, erledigt, in Arbeit, geplant, dazu die Dateien, die jeweils dazugehören, beantwortet in zehn Sekunden die Frage, an der die meisten Vorhaben sterben, nämlich wo man gerade steht. Wer diese Frage nur im Kopf beantworten kann, beantwortet sie irgendwann gar nicht mehr.

Bei Texten wird beides fast immer übersprungen. Man setzt sich hin und fängt an. Genau deshalb dauert der zweite Beitrag doppelt so lange wie geplant, und der dritte kommt nicht mehr.

Ein Text ohne verbindlichen Auftrag ist kein Text, sondern ein Versuch.

Drei Rollen, drei Dokumente

Der zweite Baustein ist eine Trennung, die in fast jedem Haus für Geld und Ware längst existiert, für Inhalte aber nicht: die Trennung von Planung, Ausführung und Prüfung.

Wer plant, denkt in Zielen und ist großzügig mit dem Umfang. Wer ausführt, will fertig werden. Wer prüft, sucht Fehler. Diese drei Haltungen schließen einander aus. Sitzen sie in einem Kopf, gewinnt zuverlässig die zweite: Der eigene Entwurf liest sich am Abend gut genug, und geprüft wird nichts, weil man ja weiß, was gemeint war.

Drei getrennte Rollen erzwingen dagegen drei Dokumente, und diese Dokumente sind der eigentliche Ertrag. Der Brief legt Ziel, Zielgruppe, Kernaussage, erlaubte Belege und Fertig-Kriterien fest. Der Ausführende arbeitet streng nach Brief, ohne ungefragte Verbesserungen, und übergibt mit einer Selbstauskunft, was er wie umgesetzt hat. Die Prüfung geht eine feste Liste durch und darf ablehnen. Nicht kommentieren, nicht anregen, ablehnen.

Der dritte Baustein ist das Gedächtnis. Jede Rolle liest vor der Arbeit den Kontextstand des Projekts und schreibt ihn danach zurück. Ohne diesen Schritt beginnt jede Sitzung bei null, und dieselbe Entscheidung wird zum dritten Mal getroffen, meistens anders als beim ersten Mal.

Als ich das für die Gastronomie baute

Diesen Ablauf habe ich nicht am Reißbrett entworfen, sondern an einem eigenen Bestand: einem Fachportal für die Gastronomie mit über 500 veröffentlichten Fachartikeln, öffentlich nachlesbar bei GastroInsider. Dahinter steht keine Redaktion. Dahinter steht der Ablauf oben, wobei die drei Rollen mit KI-Modellen besetzt sind und die Entscheidungen bei mir bleiben.

Jede Rolle ist als eigene Datei beschrieben: eigener Systemprompt, eine Beschreibung, wann sie überhaupt anspringt, ein nummerierter Ablauf von der Analyse über die Recherche und die Umsetzung bis zur Qualitätskontrolle, und ein festes Übergabeformat. Das Übergabeformat ist der Teil, den man beim Nachbauen gern weglässt und danach schmerzlich vermisst: Es zwingt jede Rolle, ihre Arbeit so zu hinterlassen, dass die nächste ohne Rückfrage weitermachen kann.

Zwei Gewohnheiten hat mir dieser Bestand aufgezwungen, die im Ablauf sonst fehlen würden. Die erste ist Scope-Disziplin: Was während der Arbeit auffällt und nicht zum Auftrag gehört, wandert in eine Liste bekannter Lücken, nicht in den laufenden Schritt. Die zweite ist ein einziger Ort für den Stand des Ganzen, eine gepflegte Datei, mehr nicht. Sie entscheidet darüber, ob eine Sitzung nach zwei Wochen Pause in fünf Minuten wieder arbeitsfähig ist oder in einer Stunde.

Vor jeder Veröffentlichung laufen zusätzlich zwei Prüfskripte über die Dateien. Das eine sucht tote Verweise, doppelte Titel, fehlende Beschreibungen und überlange Überschriften. Das andere prüft die Sprachregeln. Beide finden keine falschen Aussagen, das kann kein Skript. Sie finden zuverlässig alles, was eine Maschine finden kann, und halten damit die menschliche Aufmerksamkeit für das frei, wofür sie wirklich gebraucht wird.

Der Ertrag ist nicht Geschwindigkeit im Einzelfall. Ein einzelner Beitrag entsteht mit diesem Ablauf nicht schneller als mit einem guten Autor an einem guten Tag. Der Ertrag ist, dass der zweihundertste Beitrag genauso entsteht wie der zweite, und dass es fast egal ist, wie voll die Woche war.

Der Ertrag ist nicht Tempo im Einzelfall, sondern der zweihundertste Beitrag, der wie der zweite entsteht.

Wo dieser Ablauf an seine Grenze kommt

Vier Einschränkungen gehören dazu, sonst wird aus einer Arbeitsweise ein Versprechen, das sie nicht halten kann.

Erstens verschiebt sich der Engpass, er verschwindet nicht. Wer das Schreiben beschleunigt, ohne die Prüfrolle wirklich zu besetzen, bekommt Menge und verliert Substanz. Die Prüfung ist danach die knappste Ressource im Haus, nicht die Schreibkraft.

Zweitens erfinden Sprachmodelle Zahlen, die plausibel klingen. Das ist keine Kinderkrankheit, sondern Bauart. Die einzige Gegenmaßnahme, die im Alltag hält, ist eine harte Regel: Keine Zahl ohne Quelldatei, und die Quelle wird beim Schreiben geöffnet, nicht aus dem Gedächtnis zitiert. Ein Prüfskript hilft dabei nicht. Das muss ein Mensch wollen.

Drittens ist der Brief die eigentliche Arbeit. Ein schlecht geschriebener Brief erzeugt jetzt sehr schnell sehr viel Mittelmaß. Die ersten Wochen sind deshalb langsamer als vorher, nicht schneller. Wer diesen Aufbau nicht einplant, hört nach drei Wochen wieder auf und hat dann zwei Erfahrungen gemacht statt einer.

Viertens bleibt das Urteil außen vor. Kein Modell weiß, welche Frage Ihre Kunden in diesem Quartal wirklich beschäftigt, welcher Fall erzählt werden darf und welcher nicht, und wo eine ehrliche Einschränkung mehr Vertrauen schafft als eine glatte Aussage. Der Ablauf macht die Umsetzung planbar. Die Entscheidung, worüber sich Schreiben überhaupt lohnt, nimmt er niemandem ab.

Was das außerhalb der Gastronomie bedeutet

Steuer- und Rechtsberatung. Hier existiert die Prüfrolle bereits, sie ist nur nie auf Inhalte angewandt worden: Berufsrecht, Haftung, Vier-Augen-Prinzip. Der Schritt besteht darin, dieselbe Trennung auf Fachbeiträge und Mandantenrundschreiben zu übertragen, statt sie am Feierabend am Berufsträger hängen zu lassen. Der Brief legt fest, welcher Rechtsstand gilt und welche Aussagen nur mit Einschränkung möglich sind.

Technischer Mittelstand. Anwendungsberichte, Katalogtexte, Varianten in drei Sprachen: Der Engpass ist der Anwendungstechniker, dessen Zeit teuer ist. Die Rollentrennung heißt hier, dass er Fakten in ein festes Formular gibt und am Ende prüft, aber nicht formuliert. Erfahrungsgemäß ist das auch die Aufgabe, die er lieber macht.

Vertriebsorganisationen in regulierten Märkten. Wo jede Aussage eine Auflage hat, ist ein maschinelles Tor auf unzulässige Formulierungen mehr wert als irgendwo sonst, weil der Einzelfehler teuer ist und selten sichtbar wird, bevor jemand von außen darauf zeigt. Die Regel steht in einer Datei, die Prüfung läuft vor jeder Veröffentlichung, und das Ergebnis ist überprüfbar statt gefühlt.

Der erste Schritt ist unspektakulär

Nehmen Sie den nächsten Beitrag, der ohnehin ansteht, und schreiben Sie den Auftrag auf, bevor irgendjemand formuliert: Ziel, Leser, Kernaussage in einem Satz, erlaubte Belege, Fertig-Kriterien. Eine halbe Seite genügt. Geben Sie den Entwurf danach jemand anderem zur Prüfung gegen genau diese halbe Seite, und zwar mit dem ausdrücklichen Recht, ihn zurückzugeben.

Das ist kein Werkzeugthema. Werkzeuge kommen erst danach, und sie sind austauschbar. Wenn Sie einen solchen Ablauf für Ihr Haus aufsetzen wollen und wissen möchten, wo die Rollen in Ihrer Struktur sitzen sollten, schreiben Sie mir.

Geschrieben von

Michael Krause

Michael Krause, MarketingMind

Ökonom. Rechnet Marketingbudgets nach. Zehn Jahre Platz 1 bei Google, aufgebaut fürs eigene Geschäft.

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